Trockenstress

Ein Baum, der unter Trockenstress leidet, zeigt es auch. Seine Blätter rollen sich z. B. ein oder werden abgeworfen. Deshalb sehen wir inzwischen schon im Sommer viele trockene braune Blätter auf dem Boden liegen – ein Bild, das wir nur im Herbst gewohnt waren. Der Blattabwurf im Sommer ist alarmierend und gehört zu den Überlebensstrategien eines Baums bei längerem Wassermangel. Dadurch wird der Wasserverlust durch z. B. Transpiration reduziert. Manchmal wirft ein Baum sogar ganze Zweige ab oder intensiviert zur besseren Wasseraufnahme das Wurzelwachstum, was zur Konsequenz hat, dass weniger Blätter wachsen. Bei anhaltender Trockenheit kann deshalb ein verändertes Wachstum des Baums auftreten, der mit seinen Überlebensstrategien an seine Grenzen stößt, wenn sich der Trockenstress in die Länge zieht.

Was ist Trockenstress?
Trockenstress entsteht durch Wassermangel und stellt einen Belastungszustand für Bäume dar, auf den sie mit sichtbarer und unsichtbarer Anpassung reagieren. Wassermangel ist nicht nur die Folge von zu wenig Niederschlag, sondern auch von trockener Luft, Wind, hohen Temperaturen oder schlechten Bodenverhältnissen. Verschiedene Baumarten gehen unterschiedlich mit Trockenstress um und nicht jede Strategie ist erfolgreich, so dass es zu Schäden oder zum Absterben des ganzen Baums kommt. Hat sich eine Baumart jedoch erfolgreich an den Wassermangel angepasst, spricht man von Trockenstress-Toleranz.

Trockenstress-Faktoren
Eine aussagekräftige Bewertung von Anpassungsreaktionen muss zahlreiche Faktoren einbeziehen. Denn die Bedingungen sind nie identisch, in denen ein Baum unter Trockenstress leidet. So gibt es Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit, der Lufttrockenheit, dem Alter des Baums oder der Dauer der Trockenphase, um nur einige Faktoren zu nennen, die entscheidend sein können für eine erfolgreiche Trockenstress-Anpassung. Ein Boden beispielsweise, der nicht nur oberflächlich, sondern bereits in tieferen Schichten ausgetrocknet ist, verstärkt den Stress. Kommt Lufttrockenheit hinzu, steigt noch einmal die Belastung durch hohe Wasserverdunstung. Der Wasserverlust, der über die Blätter erfolgt, muss kompensiert und die Transpiration der Blätter aufrechterhalten werden. Für Stadtbäume gelten außerdem besondere Bedingungen, die ebenfalls bei der Beurteilung zu berücksichtigen sind, wie z. B. ein eingeengter Wurzelraum oder Bodenversiegelung. Stadtbäume haben es daher besonders schwer; ihren Trockenstress muss man differenziert betrachten. Ein Kastanienbaum, der in einer Allee steht, unterliegt anderen Trockenstress-Bedingungen als ein Kastanienbaum im Park. Bezieht man all die Einfluss- und Belastungsfaktoren ein, ergibt sich, dass es nicht den einen Trockenstress gibt, sondern unterschiedliche Formen von Trockenstress vorliegen. Deshalb befassen sich Experten wie Prof. Dr. Andreas Roloff (www.tu-dresden.de/forstbotanik) schon seit Jahren mit dem Thema Trockenstress und Trockenstress-Anpassung von Baumarten. Es geht gerade heute um die zentrale Frage, welche Baumarten mit dem Klimawandel zurechtkommen und eine hohe Trockenstress-Toleranz aufweisen.

Stadtbäume und ihre Funktion bei Trockenstress
Wenn Bäume das Stadtbild prägen, hat das nicht nur einen ästhetischen Hintergrund. Ein Stadtbaum muss bestimmte Kriterien mitbringen und vor allem viele Blätter möglichst lange tragen. Erweist sich ein Baum unter Trockenstress als Überlebenskünstler, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass die Baumart für Städte geeignet ist. Wirft der Baum bei Trockenstress seine Blätter bzw. einen großen Teil davon schon im Sommer ab, kann er seine Funktion in der Stadt nicht erfüllen. Der Stadtbaum soll in erster Linie Schatten spenden, für Kühlung sorgen, die Luft filtern und durch Photosynthese CO2 binden. Das alles erfolgt über die Blätter. Ein Baum, der seine Blätter mitten im Sommer verliert, erfüllt seinen Zweck daher nur bedingt. Investiert er aufgrund von Wassermangel außerdem mehr in das Wurzel- als in das Blattwachstum, schränkt das seinen Nutzen ebenfalls deutlich ein. Es ist also nicht nur eine Frage der Ästhetik, wenn die Blätter zu einem großen Teil schon im Sommer fehlen und die Krone kahl wirkt.

Baumbewässerungssäcke
Der Trockenstress der Bäume bedeutet für den Menschen Bewässerungsstress. Mit neuen Bewässerungssystemen lässt sich der Stress von Baum und Mensch reduzieren durch z. B. Baumbewässerungssäcke. Wir können schließlich nicht untätig abwarten, bis sich Baumarten mit hoher Trockenstress-Toleranz durchsetzen. Viele Städte und Kommunen nutzen bereits die Bewässerungssäcke mit großem Erfolg.